PRESSEMITTEILUNG

  • 01. März 2017
  • Mangel an innovativen Antibiotika: Neue Initiative soll Trendwende in der Antibiotikaforschung einläuten

  • Todesfälle durch resistente Bakterien nehmen weltweit zu, aber es mangelt an neuen Antibiotika // Mehrheit der weltweit größten Biopharma-Unternehmen hat Antibiotika-Forschung eingestellt // BCG-Studie: 400 Millionen Dollar jährlich ausreichend für Entwicklung eines neuen Antibiotikums

München – Obwohl weltweit immer mehr Menschen an antibiotikaresistenten Keimen sterben, sind seit mehr als 30 Jahren keine neuen Wirkmechanismen gegen Gram-negative Bakterien entwickelt worden. Im Rahmen einer internationalen Initiative sollen Anreize für die Antibiotika-Forschung und -Entwicklung geschaffen werden: Mittel in Höhe von 400 Millionen Dollar pro Jahr in Kombination mit einer Markteintrittsprämie könnten ausreichen, um nach einer mehrjährigen Anlaufphase ein neues Antibiotikum pro Jahr auf den Markt zu bringen. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie "Breaking through the Wall. A Call for Concerted Action on Antibiotics R&D" der Boston Consulting Group (BCG), die im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit erstellt wurde.

„Selbst wenn die Bedrohung durch Antibiotika-Resistenzen heute noch handhabbar erscheint, können wir es uns mit Blick auf die Zukunft nicht leisten, dieser Gefahr für die globale Gesundheit nicht zu begegnen“, so Heinrich Rentmeister, BCG-Partner und Leiter der Praxisgruppe Public Sector in Deutschland. „Die Entwicklung neuer Antibiotika kann ein Jahrzehnt dauern, dafür müssen wir jetzt dringend Anreize schaffen."

Die Zahl der Todesfälle, die auf Infektionen mit resistenten Bakterien zurückzuführen sind, wird allein in den USA und Europa auf 48.000 pro Jahr geschätzt. Dem steht die geringe Zahl an Antibiotika gegenüber, die neu auf den Markt gebracht werden. Grund ist, dass die Entwicklung neuer Antibiotika für Pharmaunternehmen häufig ein Minusgeschäft ist. Nur noch 5 der 20 größten Biopharma-Unternehmen weltweit sind in der Antibiotika-Forschung tätig, weil die Entwicklungskosten hoch und die Umsatzerwartungen niedrig sind. „Medizinisch hochpotente Antibiotika sind oft kommerziell unattraktiv, weil sie sparsam eingesetzt werden müssen, um Resistenzbildung zu vermeiden. Günstige Generika dominierenden Markt, was Preisdruck erzeugt. Außerdem fällt der Behandlungszeitraum mit Antibiotika für gewöhnlich sehr kurz aus“, erläutert Rentmeister. Zum Vergleich: BCG-Analysen zeigen, dass die erwartbaren Einnahmen bei neuen Produkten in der Onkologie etwa 15-mal höher liegen als bei der Entwicklung neuer Antibiotika.

Zur Stärkung der weltweiten Antibiotikaforschung und Entwicklung benennt die BCG-Studie vier Hebel:

Produktprofile als Wegweiser für den weltweiten Antibiotika-Bedarf
International abgestimmte Anforderungsprofile (Target Product Profile) für neue Antibiotika beschreiben gewünschte klinische Effekte und physische Eigenschaften eines neuen Produkts. Fördergelder für die Produktentwicklung sollen strikt an die Erfüllung der Target Product Profile gekoppelt werden.

Fonds für den Aufbau einer nachhaltigen Forschungsinfrastruktur
Ein mit 200 Millionen Dollar jährlich ausgestatteter Fonds zur Förderung der Grundlagenforschung soll Stellen für 250 neue Forscherinnen und Forscher finanzieren und bestehende internationale Fördergelder für präklinische Studien um 50 Prozent steigern.

Finanzielle Förderung der klinischen Entwicklung
Ein weiterer Fonds fördert die klinische Entwicklung von Wirkstoffen, die mindestens einem Target Product Profile entsprechen. Gemessen an aktuellen durchschnittlichen Entwicklungskosten und –zeiträumen für Antibiotika werden 200 Millionen Dollar pro Jahr benötigt, um die klinische Entwicklung von einem dringend benötigten neuen Antibiotikum pro Jahr zu finanzieren.

Prämie für den Markteintritt innovativer Antibiotika
Die Aussicht auf eine Markteintrittsprämie in Höhe von etwa einer Milliarde Dollar reicht BCG-Schätzungen zufolge aus, um innovative Antibiotika unternehmerisch wieder attraktiv zu machen. Über eine Gewinnbeteiligung wird die Prämie bei kommerziellem Erfolg zurückgezahlt. 

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Pressekontakt Deutschland 
Alena Polth 
BCG Media Relations 
Tel.: +49 89 2317 4263
polth.alena@bcg.com

The Boston Consulting Group (BCG) ist eine internationale Managementberatung und weltweit führend auf dem Gebiet der Unternehmensstrategie. BCG unterstützt Unternehmen aus allen Branchen und Regionen dabei, Wachstumschancen zu nutzen und ihr Geschäftsmodell an neue Gegebenheiten anzupassen. In partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit den Kunden entwickelt BCG individuelle Lösungen. Gemeinsames Ziel ist es, nachhaltige Wettbewerbsvorteile zu schaffen, die Leistungsfähigkeit des Unternehmens zu steigern und das Geschäftsergebnis dauerhaft zu verbessern. BCG wurde 1963 von Bruce D. Henderson gegründet und ist heute an 85 Standorten in 48 Ländern vertreten. Das Unternehmen befindet sich im alleinigen Besitz seiner Geschäftsführer. Weltweit erwirtschaftete BCG im Jahr 2016 mit 14.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 5,6 Milliarden US-Dollar. Für weitere Informationen: www.bcg.de

In ihrem Internetportal bcgperspectives.com bündelt die Boston Consulting Group alle unternehmenseigenen Studien, Kommentare, Grafiken und Videos und stellt sie online zur Verfügung. Neben Publikationen zu aktuellen Wirtschafts- und Unternehmensthemen beinhaltet die Plattform auch Veröffentlichungen aus der 50-jährigen Unternehmensgeschichte. Das Onlineportal findet sich unter www.bcgperspectives.com.

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