PRESSEMITTEILUNG

  • 16. Dezember 2016
  • Mehr Frauen in Arbeit versprechen Innovationsschub für Deutschland

  • Großes Aufholpotenzial bei politischen Rahmenbedingungen, Infrastruktur und gesellschaftlicher Grundeinstellung // Deutschland bei Frauenerwerbstätigkeit, Frauen in Führungspositionen und Gehaltsgleichheit nur Mittelmaß und weit hinter den skandinavischen Top-Ländern // 15 bis 20 Prozent Frauenanteil im Management steigert Innovationskraft von Unternehmen

München – Eine hohe Erwerbsquote von Frauen steigert die Gesamtbeschäftigung und damit die Innovationskraft eines Landes. Das belegt die Studie The Mix That Matters: Innovation Through Diversity der Boston Consulting Group (BCG) und der Technischen Universität München (TUM). Im globalen Vergleich liegt Deutschland mit einer Frauenerwerbsquote von knapp 70 Prozent nur im Mittelfeld und nutzt sein Innovationspotenzial nicht vollständig. Spitzenreiter in Sachen Innovation sind Länder wie Schweden mit überdurchschnittlich vielen erwerbstätigen Frauen.

„In Deutschland sind die Hürden für die Erwerbstätigkeit von Frauen nach wie vor zu hoch. Wir lassen dadurch wertvolles Innovations- und Wachstumspotenzial für die Wirtschaft brachliegen und bieten Frauen weniger Berufschancen als viele andere europäische Länder“, erklärt dazu Rocío Lorenzo, Partnerin bei BCG und eine der Studienautorinnen. 

Auch bei der Gehaltsgleichheit der Geschlechter und dem Anteil von Frauen in Führungspositionen erreicht Deutschland nur mittelmäßige Werte. Im Gesamtvergleich der Arbeitsmarktsituation für Frauen landet Deutschland auf Rang 10 und liegt weit hinter den Top-Performern Schweden (Rang 1), Island (Rang 2) und Norwegen (Rang 3). Die Ergebnisse basieren auf einer BCG-Analyse von insgesamt 15 Ländern. 

Skandinavien Vorbild bei Frauenförderung
Andere Länder, allen voran die fünf skandinavischen Staaten, machen vor, wie erfolgreiche Frauenförderung zugunsten von Innovation und Wachstum funktioniert. Norwegen, Island, Schweden, Finnland und Dänemark überzeugen durch ihre politischen Rahmenbedingungen, ihre Infrastruktur und ihre Grundeinstellung zum Thema Erwerbstätigkeit von Frauen. Sie sind Vorreiter bei Gehaltstransparenz, breiter Umsetzung von Frauenquoten, Einbindung von Männern in die Kinderbetreuung oder Dichte an Betreuungsplätzen. In Schweden müssen Unternehmen regelmäßig Gehaltsumfragen durchführen. In Dänemark können sich Kommunen um zusätzliches Geld für die Einstellung von Betreuungskräften bewerben, um die Kinderbetreuung zu verbessern. 

„Politische Besonderheiten wie Ehegattensplitting, aber auch das Betreuungsgeld und traditionelle Rollenbilder für Männer und Frauen schwächen die Wirtschafts- und Innovationskraft unserer Ökonomie“, sagt Professor Isabell Welpe, Inhaberin des Lehrstuhls für Strategie und Organisation an der Technischen Universität München und Koautorin der Studie. „Solange sich die Bedingungen in Politik und Gesellschaft nicht deutlich verbessern, laufen zusätzliche Förderinitiativen der Wirtschaft wie etwa Mentorenprogramme oft ins Leere.“ 

Innovationskraft steigt stark ab 15 bis 20 Prozent weiblicher Führungskräfte
Unternehmen, in denen Frauen mehr Führungspositionen bekleiden, entfalten Innovationskraft. Ein deutlicher Innovationsschub durch Frauen ist aber erst ab einem Frauenanteil von 15 bis 20 Prozent im Management sichtbar. Das ergab eine Erhebung, für die 171 Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aus verschiedenen Branchen zur Vielfalt ihrer Belegschaft und zur Innovation bei Produkten und Services befragt wurden. Unternehmen mit einem Frauenanteil in den Führungsetagen, der über dem genannten Schwellenwert liegt, sind deutlich innovativer. Der Umsatzanteil von innovativen Produkten lag bei den Top-Performern um durchschnittlich 35 Prozent höher als bei den Schlusslichtern im Hinblick auf den Frauenanteil. 

„Geschlechtervielfalt in der Führungsetage ist entscheidend für die Innovationsstärke eines Unternehmens“, stellt BCG-Partnerin Rocío Lorenzo fest. „Deutschland sollte dieses Potenzial viel stärker nutzen und wesentlich konsequenter Barrieren abbauen, die sich gegen mehr Frauen im Arbeitsleben und mehr Frauen in Führungspositionen auswirken.“ 

Frauenförderung in Politik und Gesellschaft vorantreiben
Frauenförderung könnte ein staatlicher Hebel sein, um die Qualifizierung von Mitarbeitern langfristig voranzutreiben: Die Politik sollte bessere Anreize für den beruflichen Wiedereinstieg von Frauen setzen, unter anderem durch Abschaffung von Ehegattensplitting und Betreuungsgeld, den Ausbau der Ganztagsbetreuung und die Schaffung finanzieller Anreize für Familienteilzeit. Es braucht klare politische und unternehmensinterne Regelungen, die Gehaltstransparenz und gleiche Bezahlung von Männern und Frauen sicherstellen. Für die notwendige kulturelle Weiterentwicklung müssen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Chancengleichheit stärker fördern und moderne Rollenbilder aktiv vorleben. 

Über die Studie
Für die Studie The Mix That Matters: Innovation Through Diversity haben The Boston Consulting Group (BCG) und die Technische Universität München (TUM) die Teilhabe von Frauen und spezifische Fördermaßnahmen in 15 OECD-Nationen analysiert und eine Umfrage unter 171 Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgeführt. Highlights aus der Studie finden Sie hier zum Download, die komplette Studie hier.

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Pressekontakt Deutschland
Felix Wilker
BCG Media Relations
Tel.: +49 89 2317 4775
wilker.felix@bcg.com

The Boston Consulting Group (BCG) ist eine internationale Managementberatung und weltweit führend auf dem Gebiet der Unternehmensstrategie. BCG unterstützt Unternehmen aus allen Branchen und Regionen dabei, Wachstumschancen zu nutzen und ihr Geschäftsmodell an neue Gegebenheiten anzupassen. In partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit den Kunden entwickelt BCG individuelle Lösungen. Gemeinsames Ziel ist es, nachhaltige Wettbewerbsvorteile zu schaffen, die Leistungsfähigkeit des Unternehmens zu steigern und das Geschäftsergebnis dauerhaft zu verbessern. BCG wurde 1963 von Bruce D. Henderson gegründet und ist heute an 85 Standorten in 48 Ländern vertreten. Das Unternehmen befindet sich im alleinigen Besitz seiner Geschäftsführer. Weltweit erwirtschaftete BCG im Jahr 2016 mit 14.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 5,6 Milliarden US-Dollar. Für weitere Informationen: www.bcg.de

In ihrem Internetportal bcgperspectives.com bündelt die Boston Consulting Group alle unternehmenseigenen Studien, Kommentare, Grafiken und Videos und stellt sie online zur Verfügung. Neben Publikationen zu aktuellen Wirtschafts- und Unternehmensthemen beinhaltet die Plattform auch Veröffentlichungen aus der 50-jährigen Unternehmensgeschichte. Das Onlineportal findet sich unter www.bcgperspectives.com.

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