PRESSEMITTEILUNG

  • 11. Mai 2015
  • Deutschen Banken droht massiver Einbruch ihrer Geschäfte

  • BCG-Experten erwarten Rückgang der Erträge im Privatkundengeschäft bis zu 25 Prozent – Kosten werden weiter steigen – Neue Geschäftsmodelle erforderlich – Effizienz, Innovation und Transparenz entscheiden in Zukunft über Erfolg
Frankfurt am Main – Trotz der soliden Konjunktur werden die Erträge deutscher Banken in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen. Das Privatkundengeschäft ist von dieser Entwicklung besonders stark betroffen. Hier könnten die Erträge im schlechtesten Fall in den nächsten fünf Jahren bis zu 25 Prozent sinken. Das ergibt eine aktuelle Analyse der Boston Consulting Group (BCG). "Die bisherigen Geschäftsmodelle etablierter Banken tragen nicht mehr. Es gibt kein 'Weiter so' für deutsche Banken", sagt Rüdiger Filbry, Leiter der Banken-Praxisgruppe von BCG. Bestätigt wird diese Einschätzung durch eine BCG-Studie über deutsche Großbanken. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die untersuchten Banken in Summe knapp 10 Milliarden Euro zu wenig Gewinn erzielt haben, um tatsächlich wertschaffend zu sein.

Wesentliche Ursachen für diese Entwicklung sind das anhaltend niedrige Zinsniveau, innovative neue Wettbewerber, die verstärkt in den Markt drängen und die Kundenerwartungen grundlegend verändern, sowie regulatorische Vorgaben, die unter anderem Einschnitte in die Gebührenstrukturen der Institute bedeuten. Gleichzeitig bleibt die Kostenseite durch den inflationsbedingten Kostenanstieg sowie die steigenden regulatorischen Anforderungen unter Druck. Zudem sehen sich die Banken gezwungen, erheblich stärker in die Digitalisierung zu investieren. 

Neue Technologien erlauben effizientere Geschäftsmodelle 
Aufgrund der umfangreichen Kostensenkungsprogramme der vergangenen Jahre, konnten viele Banken den inflationsbedingten und regulatorischen Kostenanstieg bisher nahezu ausgleichen. "Wer jedoch ein strukturell niedrigeres Kostenniveau anstrebt, kommt an einer tiefgreifenden Transformation nicht vorbei", betont Rüdiger Filbry. Neben der Automatisierung von Prozessen wird zukünftig insbesondere die Digitalisierung von Beratungsleistungen, wie zum Beispiel in der Anlageberatung, massiv an Bedeutung gewinnen. Zusätzlich erlauben neue Technologien auch im klassischen Kreditprozess erhebliche Kostensenkungen. "Darüber hinaus wird das veränderte Kundenverhalten in den kommenden Jahren einen Rückgang der Filialkapazitäten von 30 bis 50 Prozent erfordern", sagt Til Klein, Retail-Banking-Experte der Boston Consulting Group.

Innovation wird zum wichtigen Wettbewerbsfaktor
Das Produktangebot der Banken ist kein Differenzierungsfaktor mehr. Abgrenzen können sich die Institute nur noch über den Preis oder innovative Serviceleistungen. Die Banken sollten bei ihrem Angebot vor allem den Kundennutzen in den Vordergrund stellen. Die Erwartungen sind in den vergangenen Jahren enorm gestiegen – nicht zuletzt durch Erfahrungen der Kunden in anderen Branchen. "Innovation sollte zur Top Priorität bei Banken werden, um sich im Verdrängungswettbewerb noch zu differenzieren", erklärt Til Klein. Voraussetzungen dafür seien ein grundlegender Kulturwandel und eine Anpassung der Anreiz- und Governance-Strukturen. "Die Digitalisierung erlaubt es, gleichzeitig den Kundennutzen und die Effizienz zu steigern. Um diese Chance wahrzunehmen, sollten die etablierten Banken ihre Geschäfts- und Betriebsmodelle fundamental ändern. Dafür bleibt ihnen nicht mehr viel Zeit", sagt Til Klein.

Regulierung als strategische Chance nutzen
Zudem sehen sich die Banken auch weiterhin mit einer wachsenden Anzahl regulatorischer Auflagen und Prüfungen konfrontiert. Verstöße haben harte Sanktionen zur Folge. "Die Banken sollten proaktiv mit den Besonderheiten dieser neuen Ära umgehen", empfiehlt Gerold Grasshoff, Risikoexperte bei der Boston Consulting Group. "Die Institute sollten die Schaffung der 'gläsernen Bank' bewusst vorantreiben und die zunehmende Transparenz als Wettbewerbsvorteil und strategische Chance begreifen."

Banken müssen tiefgreifenden Wandel vollziehen
Taktische Anpassungen genügen nicht. Diese Veränderungen brauchen Zeit.  "Banken, die sich nicht rechtzeitig auf die neuen Anforderungen einstellen, werden zunehmend Marktanteile verlieren und Profitabilität einbüßen", warnt Rüdiger Filbry. 


Pressekontakt Deutschland
Caroline Heptner
BCG Press Relations
Tel.: +49 69 9150-2334

The Boston Consulting Group (BCG) ist eine internationale Managementberatung und weltweit führend auf dem Gebiet der Unternehmensstrategie. BCG unterstützt Unternehmen aus allen Branchen und Regionen dabei, Wachstumschancen zu nutzen und ihr Geschäftsmodell an neue Gegebenheiten anzupassen. In partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit den Kunden entwickelt BCG individuelle Lösungen. Gemeinsames Ziel ist es, nachhaltige Wettbewerbsvorteile zu schaffen, die Leistungsfähigkeit des Unternehmens zu steigern und das Geschäftsergebnis dauerhaft zu verbessern. BCG wurde 1963 von Bruce D. Henderson gegründet und ist heute an 85 Standorten in 48 Ländern vertreten. Das Unternehmen befindet sich im alleinigen Besitz seiner Geschäftsführer. Für weitere Informationen: www.bcg.de

In ihrem Internetportal bcgperspectives.com bündelt die Boston Consulting Group alle unternehmenseigenen Studien, Kommentare, Grafiken und Videos und stellt sie online zur Verfügung. Neben Publikationen zu aktuellen Wirtschafts- und Unternehmensthemen beinhaltet die Plattform auch Veröffentlichungen aus der 50-jährigen Unternehmensgeschichte. Das Onlineportal findet sich unter www.bcgperspectives.com.

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