PRESSEMITTEILUNG

  • 21. November 2014
  • Industrie 4.0 sichert deutschen Unternehmen langfristigen Spitzenplatz

  • BCG-Studie zu Industrie 4.0: Fünf bis acht Prozent Produktivitätssteigerungen in den nächsten fünf bis zehn Jahren möglich. Besonders hohes Potenzial im Maschinenbau.

München – Die zunehmende Verbindung digitaler und physischer Systeme in der Fertigung – Stichwort "Industrie 4.0" – birgt enormes Potenzial zur Steigerung der Produktivität und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen. Besonders der Maschinen- und Anlagenbau kann von der vierten industriellen Revolution profitieren. Allerdings ist hierzu ein rascher Aufbau von Kompetenzen in Software, datenbasierten Dienstleistungen und Systemintegration bei Industrieausrüstern und Produzenten erforderlich. Der Bedarf an Fachkräften mit besonderen Fähigkeiten in der Informationstechnologie steigt damit weiter an. Allein im Maschinenbau kann sich durch Industrie 4.0 die Zahl der Arbeitsplätze um ein Prozent pro Jahr erhöhen.

Dies sind die wichtigsten Ergebnisse der Studie "Industrie 4.0 – Wie Deutschland es schafft, im internationalen Industrievergleich spitze zu bleiben" der Boston Consulting Group (BCG). Die rasante Entwicklung technologischer Treiber von Industrie 4.0 – vom durchgängigen digitalen Design bei Produkten, Fabriken und Automatisierungsabläufen über autonome Roboter und Cyber-Physical Systems bis zu Cloud und Big Data Analytics – verändert die Fertigungsbedingungen in allen wesentlichen Feldern der industriellen Produktion: Durch schnellere Marktfähigkeit, höhere Flexibilität, gesteigerte Produktivität und verbesserte Qualität können produzierende Unternehmen und Ausrüster in Deutschland in den kommenden fünf bis zehn Jahren ein erhebliches zusätzliches Wachstum erzielen, das bis zu 1,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen kann. Derzeit entspricht das rund 30 Milliarden Euro pro Jahr.

Von erheblichen Produktivitätssteigerungen können dabei alle Branchen des produzierenden Gewerbes profitieren -- die Spanne reicht von 4 bis 15 Prozent der Gesamtkosten. Besonders starke Produktivitätszuwächse sind im Maschinen- und Anlagenbau möglich: Durch Verringerung von Rüstkosten und Vernetzung der IT-Systeme mit Lieferanten können sie ihre Produktivität in einer Größenordnung von 10 bis 15 Prozent der Gesamtkosten verbessern. Bezogen auf alle Fertigungskosten jenseits von Material sind Produktivitätssteigerungen von 20 bis 30 Prozent möglich. Sogar Lebensmittelproduzenten können durch Industrie4.0 ihre Produktivität um 5 bis 10 Prozent der Gesamtkosten erhöhen, indem sie eine Vielzahl von Varianten effizient fertigen, ihre Qualitätskosten reduzieren und ihre Rüstkosten senken. In Summe können deutsche Produzenten im Endzustand von Industrie 4.0 zusätzlich zur normalen Produktivitätssteigerung Effizienzgewinne von 90 bis 150 Milliarden Euro erzielen.

"Industrie 4.0 kann für die deutsche Industrie ein echter Produktivitätsbeschleuniger sein. Deutschland hat beste Chancen, seine weltweite Führungsrolle im Maschinenbau weiter auszubauen, Produktivität und Wachstum deutlich zu steigern und mehr hoch qualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen", sagt Michael Rüßmann, Partner und Leiter der BCG-Praxisgruppe Technology, Media & Telecommunications in Deutschland und Österreich. "Um den Vorsprung langfristig zu wahren, müssen deutsche Unternehmen allerdings wesentlich stärker in den Aufbau von produktionsnaher IT-Kompetenz investieren und gezielt hoch qualifizierte Fachkräfte in diesen Feldern ausbilden."

Industrie 4.0 kann in Deutschland ein zusätzliches jährliches Wachstum von rund 30 Milliarden Euro netto schaffen. Wachstumstreiber sind dabei vor allem die Aufwertung von Komponenten durch Sensoren, zusätzliche Investitionen in intelligente Steuerungssysteme und intelligentes Design von Maschinen sowie flexible Kleinserien, die zu mehr Variantenvielfalt bei Produkten führen.

Die Studie geht außerdem auf die Auswirkungen von Industrie 4.0 für die Ausrüster ein. BCG-Partner Michael Rüßmann erläutert: "Deutsche Ausrüster sind heute dort führend, wo Know-how in Produktions- und Automatisierungstechnologie gefragt ist. In Zukunft werden Systeme aber noch intelligenter und vernetzter, und dafür brauchen deutsche Unternehmen mehr IT-Software- und Data-Analytics-Kompetenz. Andernfalls könnten sie Marktanteile an IT-Unternehmen verlieren."

Industrie 4.0 wird auch die Arbeitswelt fundamental verändern. Der steigende Automatisierungsgrad in der industriellen Fertigung sowie die notwendige Fachkompetenz für das Management von intelligent vernetzten Maschinen, Produktionsabläufen und Services machen vor allem deutlich mehr spezialisierte Fachkräfte mit IT-Erfahrung erforderlich. Weniger gebraucht werden klassische Facharbeiter. Insgesamt erwartet die Studie aber einen positiven Wachstumsimpuls über alle Funktionen hinweg. Unter dem Strich könnten allein im Maschinenbau 100.000 neue Arbeitsplätze entstehen – das entspricht einer Steigerung um ein Prozent pro Jahr.

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The Boston Consulting Group (BCG) ist eine internationale Managementberatung und weltweit führend auf dem Gebiet der Unternehmensstrategie. BCG unterstützt Unternehmen aus allen Branchen und Regionen dabei, Wachstumschancen zu nutzen und ihr Geschäftsmodell an neue Gegebenheiten anzupassen. In partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit den Kunden entwickelt BCG individuelle Lösungen. Gemeinsames Ziel ist es, nachhaltige Wettbewerbsvorteile zu schaffen, die Leistungsfähigkeit des Unternehmens zu steigern und das Geschäftsergebnis dauerhaft zu verbessern. BCG wurde 1963 von Bruce D. Henderson gegründet und ist heute an 85 Standorten in 48 Ländern vertreten. Das Unternehmen befindet sich im alleinigen Besitz seiner Geschäftsführer. Für weitere Informationen: www.bcg.de

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