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Finn Age Hänsel

Mein erster Berührungspunkt mit BCG war eine Universitätsveranstaltung an meiner Universität in Freiberg (Sachsen). Seit dieser Zeit habe ich sowohl in Deutschland als auch in meinen Auslandsuniversitäten in Budapest und Auckland immer wieder Kontakt zu den lokalen BCG-Büros und BCGlern vor Ort gehabt. Als ich 2007 entschied, mich zu bewerben, war meine erste Station bei BCG ein sehr spannendes VA-Ship in der Zementindustrie.

Begeistert von meiner Zeit und der vielfältigen sowie anspruchsvollen Arbeit dort, entschloss ich mich anschließend, das Angebot für einen Festeinstieg von BCG anzunehmen, jedoch vor meinem offiziellen Start noch eine Auslandsstation in Form eines Fast-Forward-Ambassadorships zu machen. Im März 2008 war es dann so weit.

Der Anruf kam ca. 14 Tage zuvor: Finn, hast du Lust auf Südafrika? Ich hatte Lust. Und so fing ich direkt an, meine Sachen zu packen, alles zu organisieren und eine Wohnung zu suchen. Ein spannender Kunde: ein südafrikanisches Start-up-Unternehmen, die Gelegenheit, neue und internationale Kollegen und Kunden kennenzulernen, sowie die Möglichkeit, eine neue Kultur zu erleben, machten die Sache von Vornherein ungemein reizvoll. Die Aussicht auf bestes Wetter, auch im Winter, tat dann ein Übriges.

Als es am 10. März so weit war, traf ich erst einmal auf eine andere Welt. Johannesburg gilt weltweit nach allen Statistiken als eine sehr gefährliche Stadt. Dementsprechend vorsichtig ging es auch zu, als ich am Flughafen ankam und mich zum Büro des Kunden bringen ließ. Direkt ins kalte Wasser, denn BCG hat kein Büro in Südafrika, und so bedeutete das für die tägliche Arbeit, dass man stets im Büro des Kunden arbeitet.

Schließlich kam ich ohne große Vorkommnisse im Büro an, und ein international besetztes Projektteam erwartete mich mit großer Spannung. Die kurze Vorstellungsrunde begann: zwei indische, ein Schweizer, ein deutscher Kollege, eine amerikanische Kollegin und drei Kollegen aus einer südafrikanischen Beratung, mit der wir vor Ort kooperieren – ein Simbabwer, ein Kenianer sowie ein Südafrikaner. Die wenigsten meiner Kollegen waren wie ich BWLer. Ein Großteil bestand aus Ingenieuren, Informatikern, Physikern und anderen Fachrichtungen. Lange Rede, kurzer Sinn: ein durch und durch internationales Projekt. So, wie man es sich für ein solches Programm wünscht.

Im Gegensatz zum deutschen System gestalten sich die Projekte in Südafrika weitaus einfacher. Kein häufiges Reisen, kein Wechsel zwischen den Büros – administrativ ging es in Johannesburg also sehr viel ruhiger zu.

Während mir meine Kollegen eine Einführung in das Projekt gaben, hatte ich Zeit, mich auch in alle anderen relevanten Themenbereiche des Moduls einzulesen: Unser Kunde hatte erfolgreich eine Telefonlizenz für den südafrikanischen Markt erworben und BCG sollte helfen, ihn am Markt zu positionieren und die Wettbewerber möglichst erfolgreich anzugreifen. Eine sehr spannende Aufgabe, zumal es viele unterschiedliche Aufgaben gab. Ein Merger-Integrations-Team, ein Strategie-Team und ein Corporate-Development-Team arbeiteten jeden Tag an neuen und interessanten Aufgaben, die mehr oder weniger spontan anfielen.

Mein Bereich war schnell definiert: Zusammen mit einem Kollegen aus dem Frankfurter Büro musste ein sehr detaillierter und möglichst realistischer Business-Case erstellt werden, der die Entwicklung dieses spezifischen Telekommunikationsanbieters für die nächsten zehn Jahre darstellt – inklusive Net Present Value und Kapitalbedarf. Was sich für einen BWLer relativ straight-forward anhört, war aber gerade in einem fremden Unternehmen immer wieder ein Abenteuer: Ich war aufgefordert, Informationen aus allen relevanten Bereichen des Unternehmens zu sammeln. Das umfasste nicht nur die Finanzabteilung, sondern auch die gesamte Netzwerkplanung, die IT und das Management eines frisch akquirierten Unternehmens, welches integriert werden sollte. Für einen Netzwerklaien wie mich eine interessante neue Herausforderung.

Fazit meines VA-Ships: Selten hat mich eine Zeit in meinem Leben so geprägt wie diese drei Monate. Intensive Arbeit, spannender Kunde, internationales Team, und das alles in einem völlig neuen Land, 15.000 km von zu Hause. Nach Beendigung meines Ambassadorship-Programms fing ich im Juni 2008 fest bei BCG an. Schon kurz bevor mein Einstiegstraining begann, stand fest: Ich bleibe in Südafrika, auch als Associate.

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